Das Grüne Band

"Das Grüne Band: vom Todesstreifen zur Lebenslinie" 

Fast 40 lange Jahre trennte der „Eiserne Vorhang“ Mensch und Natur in ganz Europa. Für die Menschen tödlich, war er für die Natur ein Segen: Denn im Schatten der Grenze hatten bedrohte Tiere und Pflanzen eine ungestörte Heimat gefunden.

Heute zieht sich der ehemalige Grenzstreifen als „Grünes Band“ quer durch Europa – eine Schatzkammer der Artenvielfalt.

Besonders im Harz war die innerdeutsche Grenze schmerzlich zu spüren: Den Brocken - imposantes und weithin sichtbares Symbol des Harzes - konnten die Menschen in Ost und West nur von Ferne betrachten. Er lag im militärischen Sperrgebiet.

Heute hat der Harz ein neues Gesicht: Entlang des ehemaligen Todesstreifens schlängelt sich – reich an Attraktionen - das lebenspendende Grüne Band: Naturschönheiten schmiegen sich an kulturelle Kostbarkeiten.

Abenteuerliche Ausflüge gehen mit besinnlichen Momenten Hand in Hand. Und man kann nach Herzenslust wandern … durch pure Wildnis oder auf den Spuren deutscher Geschichte.

Informieren Sie sich über das Grüne Band in Deutschland oder schauen Sie sich den Harzer Grenzweg an. Auch die Kunst am Grünen Band und weitere interessante Dinge sind einen Blick wert. Und wenn Ihnen die Erkundung zu Fuß nicht so zusagt, dann nutzen Sie doch einfach die Radroute am Grünen Band.

Bitte klicken Sie auf das Bild für weitere Informationen.  

Das Grüne Band Harz


Der Film "Mitteldeutschland von Oben", ein Film (2 Teile) von Vogtland tot Harz"

Teil 1 & Teil 2

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Der Kleinert-Stein in Hohegeiß

Am Parkplatz, am nördlichen Ortsrand von Hohegeiß, steht seit 1971 ein Gedenkstein der Kleinert-Stein genannt wird. Dieser Gedenkstein repräsentiert ein Stück innerdeutscher Geschichte - die deutsche Teilung.

Von den Alliierten wurde 1945 nach Kriegsende eine Demarkationslinie quer durch den Harz gezogen, die von der DDR zur Staatsgrenze gemacht wurde. Anfangs noch durchgängig, wurde diese Grenze von Jahr zu Jahr mehr gesichert und bewacht. Somit wurde ein Überschreiten dieser Grenze ständig gefährlicher und so mancher bezahlte den Versuch mit seinem Leben. 

Am 1. August 1963 wollte der Quedlinburger Helmut Kleinert mit seiner Frau Marlit die DDR bei Hohegeiß verlassen. Aber der Fluchtversuch aus Richtung Sorge scheiterte – Helmut Kleinert wurde erschossen und seine Ehefrau verhaftet und wegen „Republikflucht“ verurteilt.

Die Darstellung der Ereignisse wurde dem Zeitgeist entsprechend in Ost und West verschieden beurteilt und auch dargestellt. In der DDR war der Vorfall „Geheime Verschlusssache“ der Grenztruppen und wurde nur in der „Tagesmeldung Nr. 214/61“ wie folgt dokumentiert: „Am 01.08.1963, gegen 13.45 Uhr, Festnahme von 2 Grenzverletzern DDR-WD durch Anwendung der Schusswaffe mit tödlicher Verletzung des einen Grenzverletzers durch die Kontrollstreife Hauptmann K., Uffz. Sch. und einem Grenzposten im Abschnitt nördlich der Straße Sorge-Hohegeiß.

Die Grenzverletzer – Kleinert, Helmut / geb. 14.08.1939 / Schlosser / wohnhaft: Quedlinburg / Mitglied der SED – Reservist und Kleinert, Marlit / 12.02.1941 / ohne Beruf / wohnhaft: Quedlinburg – versuchten trotz Anrufe und Abgabe eines Warnschusses die Grenze zu durchbrechen. Durch taktisch gutes Verhalten gelang es, die Frau ohne weitere Anwendung der Schusswaffe festzunehmen. Da K. die Flucht fortsetzte, wurde durch den Uffz. Sch. und einem im Abschnitt eingesetzten Grenzposten das gezielte Feuer eröffnet. Trotzdem K. am Bein verletzt wurde, versuchte er die Sperre zu überwinden. Durch gezieltes Feuer (es wurden insgesamt 60 Schuss abgegeben) wurde K. in der Sperre tödlich verletzt. Der Abschnitt ist vom Gegner nicht einzusehen. Trotzdem gab es auf westlichem Gebiet, auf Grund des unorganisierten Schießens, eine Ansammlung von ca. 200 Personen.“

In der Bundesrepublik dagegen berichteten die Medien wie folgt: „Ein Mann wurde bei einem Fluchtversuch aus der sowjetisch besetzten Zone im Kugelregen östlicher Maschinenpistolen getötet.“ Genauere Angaben folgten dann in einem Augenzeugenbericht: „Es war ungefähr dreiviertel zwei …. Plötzlich hörte ich Schüsse krachen…. Auf der Landstraße, die früher von Sorge nach Hohegeiß führte, lief eine Frau. Nach den Schüssen blieb sie stehen. 80 Meter von ihr entfernt keuchte ein Mann in der Kleidung eines Landarbeiters in hastendem Lauf in westlicher Richtung auf den 300 Meter entfernt liegenden Stacheldrahtzaun zu. Aus den hölzernen Wachtürmen wurde aus Maschinenpistolen und Sturmkarabinern auf den um sein Leben Laufenden geschossen… Zehn Meter trennten den Mann noch vom ersten Stacheldrahtverhau vor dem umgepflügten Todesstreifen, da sahen wir, dass der arme Kerl ins Bein getroffen wurde …. Trotzdem gelang es ihm, unter dem Draht hinweg zu robben und in einem kleinen Buschwerk unterzutauchen. 70 Meter fehlten ihm noch bis in die Freiheit …. Blitzschnell waren zwei „Vopos“ heran. Aus der Nähe knallten sie aus MP’s mehrere Salven in das Buschwerk, aus dem dann - zwei Stunden später - nur noch ein Toter geborgen werden konnte …. Schon vorher war die Frau - offensichtlich unverletzt - fortgeschafft worden…. Im Gegensatz zu vielen anderen Stellen des Harzes liegen hier keine Minen, und die Grenze ist durch einen Stacheldrahtzaun gesichert.“

Einige Tage später errichtete man auf westlicher Seite der Grenze, gegenüber dem Tatort, ein Holzkreuz, das mit einem Kranz aus Stacheldraht versehen war. Später, nachdem der Namen des Erschossenen in Erfahrung gebracht worden war, kam noch eine Namenstafel hinzu. Es entstand eine Grenzgedenkstätte, der ständig Blumen und Kränze niedergelegt wurden. Nachdem das Holzkreuz morsch geworden war, ersetzte man es durch den heutigen Gedenkstein.


"Das Grüne Band: vom Todesstreifen zur Lebenslinie"